Gruselige WBTs (WebBasedTrainings)

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„Ja, wir haben WBTs. Die sind aber gruselig.“ Das war die Aussage einer Kundin in einer Projektbesprechung für ein Blended Learning-Programm.

Ich habe es mir dann angeschaut. 40 Minuten vorgelesene PPTs, meist als Textfolien. Inhaltlich war das gut, die Umsetzung aber in der Tat: gruselig.

WBTs sind keine neue Erfindung. In grauer Vorzeit hieß das noch ComputerBasedTraining (CBT) und wurde auf Disketten und später dann CDs geliefert. Inzwischen hat sich viel getan. Und dennoch sind diese Formen von eLearning nicht sonderlich beliebt.

Warum?

Renata Nummela Caine hat 12 Lernprinzipien auf Basis der Hirnforschung beschrieben (ich verweise hier gerne auf das sehr gute Buch „Neurodidaktik für Trainer“ von Hütter und Lang). Das 2. Prinizp lautet: „Das Gehirn ist sozial“. Wir lernen vor allem mit und von anderen Menschen. Das hängt mit dem Hormon Oxytocin zusammen. Wir sind besonders (lern-) motivierbar, wenn eine Beziehungsebene entsteht, der Lerner auch emotional angesprochen wird.

Das wusste schon Benjamin Franklin: „Tell me and I forget, teach me and I may remember, involve me and I learn.“

Wenn wir diese wichtige Erkenntnis ins eLearning einfließen lassen, können wir dessen Vorteile auch tatsächlich nutzen und Lerntransfer erreichen.

Wie kann das funktionieren?

  1. Blended statt reinem e-Learning. Die Mischung von asynchronem eLearning mit synchronen Formaten, also Präsenz- oder Live-Online-Veranstaltungen, schafft Raum für Austausch, Vertrauens- und Beziehungsaufbau; zum Trainer und auch zu den anderen Teilnehmern.
  2. Video ist wirksamer als PPT. Mit anregenden Bewegtbildern lassen sich Botschaften weitaus stärker emotional aufladen als mit noch so schönen Folien.
  3. Echte Situationen oder Simulationen sind wirksamer als Vorträge. In der Kreation von Videos gilt wiederum, dass die Veranschaulichung durch eine realitätsnahe Szenerie sich viel besser verankert als „drüber zu reden“. Die anschauliche Story verfängt wiederum stärker als die Erläuterung von Zahlen, Daten, Fakten.
  4. Identifikationsmöglichkeiten schaffen. Wenn der gleiche Trainer in der Präsenzveranstaltung, im Virtuellen Klassenraum (erlebbar durch die aktivierte Webcam) und dann auch im Video oder im WBT (als Avatar und mit seiner Stimme) wieder auftaucht, spricht das Menschen wesentlich stärker an als die Aneinanderreihung anonym gestalteter Bausteine. Ein Blended Learning-Kurs aus einem Guss verspricht höchsten Lerntransfer.
  5. Positive Gefühle erzeugen. Neben Angst und Stress ist auch Langeweile ein negatives Gefühl, das Lernen blockiert. Kurze und kurzweilige eLearning-Module mit, bei allem Tiefgang, interessanter und humorvoller Darstellung sorgen hingegen für Freude am Lernen.

So erreichen wir das Gehirn der Lernenden hoch effektiv und sorgen für eine entsprechend hohe Chance, dass die Inhalte tatsächlich Umsetzung finden.

Und nur darum betreiben wir ja den ganzen Aufwand der beruflichen Weiterbildung …

Stefan Urke